Wie automatisiert man?

21.08.2020 18:34:13 | BLOG | Helmut Steigele | BLOG | 0 Kommentare


Viele sprechen heute von Automatisierung, noch mehr bemühen sich um die Auslegung des Buzzwords Digitalisierung, aber keiner hat bisher einen nachvollziehbare Antwort auf das „Wie automatisiere und digitalisiere ich“ gefunden.

In der Tat, an diese heiße Kartoffel haben sich bisher Ditigalisierungswunderwuzzis und Automatisierungsevangelisten noch nicht herangewagt.

Warum auch, solange bestimmte Grundlagen, Lehrgebäude und Philosophien noch nicht beim Kunden verankert und bezahlt sind, macht es keinen Sinn, sich um jenen schnöden Alltag zu kümmern, der die eigenen Elfenbeintürme mit smartem Klick ins Nirvana verfrachten kann.

 

Anbei ein Ansatz oder ein Regelkreis, so wie ich ihn die letzten Jahre (auch noch ohne das Buzzword Automatisierung und Digitalisierung“ eingesetzt habe.

 

 

Was vorausgesetzt ist, wir wissen bereits, was wir automatisieren wollen, wie (also auf welchem technischen Weg) und warum wir die Automatisierung vornehmen. Optimalerweise wird dieser Regelkreis genau auf einen einzigen Ablauf angewendet, der schon via Prozess-Repository kontrolliert wird. Theoretisch ginge es aber auch ohne.

Wichtig ist, dass vor der Automatisierung, alle relevanten Anspruchsträger den Ablauf durchsprechen, durchleben, und alles, was nervt, behindert, für einen erfolgreichen Abschluss des Ablaufs notwendig ist, oder eben fehlt vermerkt ist. Dieser Journey (basierend auf dem, was man auch vom Customer Journey her kennt), ist die Grundlage für die beiden Folgeschritte.

Der bestehende Ablauf wird nämlich zuerst auf Herz und Nieren geprüft. Im ersten Ablauf auf das was ich hier Assurance nenne. Gemeint sind die Sicherheit ein Ablaufresultat zu erreichen, dass der Ablauf selbst für die Anwender und Anspruchsträger als sicher und vertrauenswürdig akzeptiert wird, und dass Vorgaben aus der Compliance schon frühzeitig berücksichtigt sind.

Ist der Ablauf nun so weit spezifiziert, dass er diese Grundanforderungen erfüllt, werden die Schritte zwingend notwendig (weil wertstiftend), notwendig (weil für die Assurance erforderlich) und optimierungswürdig (ersetzen, anders anwendet etc.) durchgeführt. Der Ablauf an sich ist nun in einem Zustand, den man „Reissbrett-Optimiert“ nennen kann.

Abläufe selbst, brauchen aber, wenn sie automatisiert sind, das was man Telemetrie nennt. Also Prüf- und Statuspunkte, die einem bei jedem Durchlauf mitteilen, dass alles innerhalb erwünschter Parameter abläuft, dass man gegebenenfalls auf ein Lowlevel-Szenario umsteigen muss, damit es nicht einem Übermass an Nacharbeiten kommt etc.

Wir bauen also mit der „Telemetrie“ in den automatisierten Ablauf das ein, was ihn später auswertbar, nachvollziehbar und ggf. auch intelligent machen kann.

Noch ist alles am Konstruktionsbrett definiert, mit der Konsolidierung der Automatisierungsanforderungen und dem Festlegen des Automatisierungsweges (Lowcode, Robotic Process Automation, Anbieten eines digitalen Interface plus Verknüpfung mit schon bestehenden Systemen – Stichwort Service-Automation etc.) gehen wir danach in die Umsetzung.

Mit Link ist gemeint, dass man festlegt, von woher der nun automatisierte Ablauf seine benötigten Informationen abruft, bzw. an welche Abläufe er seine Ergebnisse liefert. An dieser Stelle macht sich der Nutzen eines allfällig vorhandenen oder vorbereiteten Prozess-Respositories bemerkbar. Wenn man entlang einer „Prozess- oder Automatisierunsbebauung“ hier feststellen kann, welcher Schritt der betrieblich zielführendste ist (man will ja agil bleiben), ist es auch einfacher die künftige Betriebsverantwortung, die Auswertung der entstandenen Telemetrie und die daher jetzt datenbasierten Nachfolgeentscheide zum Ablauf nachvollziehen zu können.

Für all die Skeptiker, die hier die Meinung vertreten, dass dieser Ablauf in der Digitalisierungswelt noch nicht publiziert, getestet oder mit einem zertifizierungsfähigen Framework vermarktet wurde, noch eine kurze Replik . Das Ablaufsmuster stammt aus der Fertigungstechnik und läuft in der dortigen Robotik schon seit ungefähr 40 Jahren so.

In Ermangelung geeigneter Literatur habe ich mich also hier von Praktikern abgekupfert, weil die digitale Theorie, so wie es scheint, noch nicht liefern konnte.